"Völlig losgelöst von der Erde"
Gabriel (5 ¾ J.) und Jakob (3 ¾ J.) kraxeln in das hohe, mit dicken Seil-Netzen bespannte Gerüst und machen es zu ihrem Raumschiff. Gabriel kündigt an: „I bin der Kapitän.“ Von der Brücke, ganz weit oben lenkt er das Fluggerät. Mir wäre das viel zu hoch, doch die Buben haben keine Höhenangst. Plötzlich schreit Gabriel: „Ohje, der Motor ist kaputt!“ Jakob meldet: „I bin der Mechaniker, i reparier den Motor!“ Er schwingt sich die Seile bis zum Boden hinunter, um den Schaden am Motor zu beheben, was ihm natürlich blitzschnell gelingt. Sofort klettert er wieder auf seine Position hoch oben und schon kann der Flug weitergehen.
Meine Schaukel!
Ein anderes Mal sind wir mit Antonia (3 ¾ J.) und Samuel (1 ¾ J.) am Spielplatz. Samuel weiß genau, wo er hinwill. Die Babyschaukel hat es ihm angetan. Hier will er hinein und nicht mehr heraus. Nach einer gefühlten halben Stunde überredet ihn sein Opa zum Fluss zu schauen, um nach den Enten zu sehen.
Antonia nutzt ihre Chance: „I mog in die kleine Schaukel!“ Ok, das ist zwar etwas schwierig, da ihre großen Füße und die langen Beine schwer einzufädeln sind, aber wir schaffen es. Nach einigen Schaukelschwüngen kommen Samuel und Opa zurück. Schon von Weitem fängt Samuel lauthals zu weinen an. Mit dem Finger zeigt er auf Antonia, die in „seiner“ Schaukel sitzt. Da heißt es jetzt verhandeln.
„Antonia, darf Samuel wieder schaukeln? Schau die Schaukel ist für dich schon viel zu klein. Du bist schon so tüchtig und kannst auf der Schaukel für die großen Kinder schaukeln.“ Sie ignoriert das Gebrüll ihres Bruders und meine Schlichtungsversuche. Erst als ich sie frage: „Antonia, wie oft magst du noch hin und her schaukeln?“ sagt sie einlenkend: „Nu zehn moi!“ Wir zählen laut mit und danach räumt sie gnädig das Feld. Dazu müssen wir ihre Schuhe ausziehen, damit sie überhaupt wieder aus der Schaukel herauskommt. Ich habe am nächsten Tag jedenfalls ordentliche Kreuzschmerzen vom Kinder-in-die-Schaukel ein- und ausfädeln.
Wer nicht fragt, bekommt auch nichts
Natürlich gehe ich auch mit Jonas (6 ¾ J.) und Lenie (5 ½ J.) in den Park. Die Beiden kenne keine Furcht und wagen sich auch auf das neue wackelige Klettergerät. Jonas entdeckt zwei größere Mädels, die es sich im Kletterturm mit Getränken und Naschereien gemütlich gemacht haben. Zuerst kundschaftet er die Lage aus, er wurschtelt sich bei den Mädels vorbei, um genau zu sehen, was sie denn Gutes haben. Als er sich das zweite Mal nähert, nimmt er allen Mut zusammen und fragt: „Derf i a Süßigkeit hobm?“ Mir ist das peinlich und ich versuche Jonas wegzulocken, doch die Mädels sind offensichtlich von seiner Courage beeindruckt und geben ihm tatsächlich etwas ab.
Lenie eiskalt
Zu Ostern, wenn die ganze Familie zu Besuch kommt, gibt es bei uns eine Tradition. Der Teich wird ausgewintert. Das heißt, einige mutige Familienmitglieder springen todesmutig in den sehr frischen Teich. Dieses Jahr hat der Teich stattliche 11 Grad und die Außentemperatur ist noch weit weg von sommerlich. Mein Mann und Lenies Papa stürzen sich, angefeuert von allen, die sich nicht trauen, in das eisige Nass. Lenie beschließt: „I mog a in Teich.“ Wenn sich Lenie etwas vornimmt, zieht sie es durch. Hineinspringen mag sie nicht, aber sie klettert im seichten Bereich vorsichtig ins Wasser. Alle sind aufgeregt und feuern Lenie an. Unsere Wassernixe genießt die Aufmerksamkeit und geht bis zum Hals ins Wasser. Eigentlich ist Lenie die Mutigste der Familie, denn ich finde, es ist viel schwieriger langsam in kaltes Wasser zu gehen, als zu springen.




