"Auf Abruf"
Urlaub bei Oma und Opa
Die beiden sind bestens vorbereitet, sie freuen sich auf die geplanten ein bis zwei Nächte bei uns. Bei den Kindern wird die Aufregung langsam unerträglich, das Baby ist schon einige Tage überfällig. Wann bekommt die Mama endlich Bauchweh und das Baby kommt heraus aus dem Bauch? Die Tage ziehen sich in die Länge. Dann werden auch noch Samuel und sein Papa krank und die Warterei nimmt kein Ende.
Endlich, es geht los!
Der Anruf erreicht mich mitten in der Nacht: Die Fruchtblase ist geplatzt. Ich schnappe meine vorbereitete Übernachtungstasche und mache mich auf den Weg in den 20 Minuten entfernten Ort. Als ich dort ankomme, sind Mama und Papa bereit zur Abfahrt. Die Kinder schlafen tief und fest, ihre Taschen sind gepackt und eine Liste daneben, was wir am nächsten Morgen noch einpacken müssen: Fuxi, Schildi und Löwi, die Kuscheltiere und die vielen Schnullis, die Samuel braucht sind das Wichtigste!
Eine durchwachsene Nacht
Um 1 Uhr begebe ich mich ins Gästezimmer, bald darauf meldet sich Antonia. Ich schnappe mein Bettzeug, übersiedle ins Kinderzimmer und kraxle zwischen Antonia und Samuel ins große Bett. Antonia schaut mich mit großen Augen an. Ich sage: „Die Oma ist da.“ In Antonias Gesicht zeigt sich Erkennen, dann fragt sie: „Mama?“ Ich antworte ihr: „Die Mama und der Papa sind im Krankenhaus, das Baby will kommen.“ Diese Nachricht lässt Antonia selig grinsen, sie legt sich wieder hin und schläft weiter. Nach einer Stunde wird Samuel munter. Auch ihn informiere ich, was er kommentarlos zur Kenntnis nimmt und wieder einschläft.
Morgenritual und Frühstücksunfälle
Um 7 Uhr ist Tagwache. Wir halten uns an den Ablauf, den die Kinder gewohnt sind. Angezogen und Zähne geputzt gehen wir in die Küche, um ein Frühstück zu richten. Antonia ist mir eine große Hilfe. Ich frage sie: „Antonia, wo sind eure Häferl? Wo finde ich den Kakao? Wo ist das Brot?“ Ganz geschäftig gibt sie mir professionell Auskunft. Als Samuel sein Kakao-Häferl umleert, kommentiert Antionia: „Des kaun scho moi passieren, des ist net schlimm.“ Während ich noch beim Aufwischen bin, fällt auch ihr Häferl um. Halleluja!
Jetzt beide Kinder noch einmal umziehen. Antonia macht das natürlich, einschließlich der Auswahl ihrer Kleidung, selbst. Samuel laufe ich eine Weile hinterher, bis ich es schaffe, dass er wieder angezogen ist.
Der heiß ersehnet Anruf
Plötzlich läutet mein Handy, ein Video-Anruf meiner Tochter. Wir sind ganz aus dem Häuschen und schauen uns das kleine Wunder in den Armen der glücklichen Mama an. Der Name des Familienzuwachses war bis jetzt streng geheim, nun wird uns das Baby offiziell vorgestellt. Ihr Name lautet Miriam: „Herzlich willkommen, auf dieser schönen Welt, liebe Miriam!“ Antonia hat ein verliebtes Glänzen in den Augen, Samuel ist ein wenig aufgedreht, ich bin unendlich dankbar und erleichtert, dass alles gut gegangen ist und meine Tochter und die kleine Miriam gesund sind.
Eine wichtige Entscheidung
Antonia hat am Tag nach der Entbindung ein Kindergartenfest, es wird ihr freigestellt, ob sie ihre Mama und Miriam im Krankenhaus besuchen will, oder ob sie lieber zum Kindergartenfest geht und den Besuch auf den nächsten Tag verschiebt. Antonia muss nicht lange überlegen. „Do is mas Baby wichtiger, ich mog d’Miriam besuchen.“




